Geschichte

Die Deutsch-conservative Semestralverbindung Gothia wurde am 28. Jänner 1922 in Wels gegründet. Ihr Wahlspruch lautet "Ehre - Freiheit - Vaterland". Wir führen die Farben schwarz-rot-gold (Fuxenfarben: schwarz-rot) und tragen eine ziegelrote Mütze im kleinen Jenenser Format mit goldenem Vorstoß. Ein weiteres wichtiges Erkennungsmerkmal ist unser Zirkel, der unseren Wahlspruch und die Namen "Gothia, Alania, Hermania und Nibelungia (die Verbindungen, die sich 1922 zur Gothia verbanden) darstellt. Als "schlagende Verbindung" verlangen wir von unseren Mitgliedern zwei Pflichtpartien nach der Linzer Paukordnung (LPO) zu fechten. Darüber hinaus ist es jedem Bundesbruder freigestellt, sich öfter der Herausforderung der Mensur zu stellen. Die DcSV Gothia ist Mitglied des Landesdelegierten Convents Oberösterreich (LDC OÖ) und des Österreichischen Pennäler Ringes (ÖPR).

Deutsch-conservative Semestralverbindung?

Die Bezeichnung unserer Verbindung ist zugegebenermaßen vielleicht etwas sperrig, allerdings haben wir uns bewusst entschlossen, diesen Namen zu behalten und ihn nicht abzuändern. Der Grund dafür ist, dass uns das DcSV am besten beschreibt und man anhand der Namensgebung schon genau weiß, womit man es zu tun hat. Die Bedeutung der einzelnen Ausdrücke:

Deutsch

Wir bekennen uns zur deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft in einer unabhängigen Republik Österreich. Das heißt für uns auch, diese unsere Kultur zu bewahren und lebendig zu erhalten. Dabei ist es vor allem wichtig, über diese Kultur und ihre Geschichte Bescheid zu wissen und diese zu verstehen. Tradition zu erhalten heißt für uns nicht die Asche aufzuheben, sondern die Glut zu erhalten.

"Deutsch" ist in der heutigen Zeit in Österreich ein Ausdruck, der nicht gerade positiv besetzt ist. Wir verstehen ihn so: In Österreich leben gesetzlich anerkannte "Volksgruppen", was bedeutet, dass das "Volk" aus "Gruppen" besteht. Diese Volksgruppen sind: die burgenlandkroatische, die slowenische, die ungarische, die tschechische und die slowakische Volksgruppe sowie die Volksgruppe der Roma. So gibt es also beispielsweise "ungarische Österreicher". Diese Volksgruppen sind nach ihrer Kultur und ihrer Sprache eingeteilte Minderheiten. Wo es Minderheiten gibt, muss es allerdings auch eine Mehrheit geben. Im Falle Österreichs spricht diese Mehrheit nicht etwa "österreichisch", sondern "deutsch".

Versteh uns bitte nicht falsch: Wir sind sehr gern Angehörige des österreichischen Staates und beinahe alle von uns haben (während ihres Präsenzdienstes beim Bundesheer) auch gelobt, ihn mit der Waffe zu verteidigen. Staatsangehörigkeit ist für uns nicht gleich Volkszugehörigkeit: Ein türkischer Österreicher ist ebenso Österreicher wie ein deutscher Österreicher - aber sie haben ihre kulturellen Unterschiede.

conservativ:
Unsere Verbindung unterwirft sich dem sogenannten conservativen Prinzip, das heißt, dass wir das studentische Fechten, die Mensur, pflegen. Mit einer konservativen Einstellung hat das allerdings nichts zu tun.
Semestralverbindung:

Ist ein Ausdruck, der eine Eigentümlichkeit aus der Gründerzeit unseres Bundes verdeutlicht. Damals war das Schuljahr in der Mittelschule noch in Trimester eingeteilt. Da sich unsere Verbindung aber als Studentenverbindung sah (und sieht), orientierte man sich damals auch am Semesterprinzip der Universitäten. Der Betrieb findet also seit über 80 Jahren in zwei Semester eingeteilt statt.

Ehre - Freiheit - Vaterland?

Die 1815 gegründete Urburschenschaft begründete diesen Wertedreiklang, der für uns bis heute Gültigkeit hat. Mit heutigen Worten ausgedrückt würde er "Aufrichtig - Freiheitsliebend - Heimatverbunden" lauten.

Ehre / Aufrichtigkeit:

Für uns bedeutet die Ehre eine offene, treue und aufrechte Haltung sowohl der eigenen als auch anderen Persönlichkeiten gegenüber.

Freiheit:

Freiheit und Recht bestimmen die Ordnung in der Gemeinschaft. Die Freiheit des Einzelnen, etwas zu tun oder zu lassen, hat eine Schädigung der Gemeinschaft auszuschließen. Somit endet die Freiheit des einen dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.

Für uns heißt Freiheit vor allem: Eintreten für Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit. Das ist auch der Grund, warum wir nie ein Verbot unserer "Gegner" fordern würden - jede Meinung muss ihren Platz in einer Gesellschaft haben dürfen. (Auch wenn unsere "Gegner" das anders sehen und nur zu gern sehen würden, dass Verbindungen verboten werden.)

Vaterland / Heimatverbundenheit:

Vaterland ist die angestammte kulturelle und geistige Heimat, unabhängig von staatlichen Grenzen. Sein Vaterland und seine kulturelle Identität auf der Basis des Selbstbestimmungsrecht der Völker zu bewahren, lebendig zu halten und zu schützen, ist Plicht eines jeden Menschen. Nur wer seine Identität im eigenen Volk findet, ist auch im Stande andere Völker zu achten.

Achte jedermannes Volk, das deinige aber liebe! (G. Keller)

schwarz-rot-gold?
Der Farbdreiklang schwarz-rot-gold stammt aus den Zeiten der Befreiungskriege Europas gegen Napoleon. Die Absicht war, die Fremdherrschaft des Franzosen abzuschütteln, die Freiheit zu erlangen und den lange geträumten Traum eines vereinten deutschen Staates (den es bis dahin nicht gegeben hatte) zu verwirklichen. Viele Männer starben für diese Ziele, viele meldeten sich freiwillig für den Dienst an ihrem Volk und ihrem Land und ließen sich von Freikorps anwerben. Das berühmteste davon ist das Lützow'sche Freikorps, dem Männer wie der Begründer des Turnens Friedrich Ludwig Jahn, der große Dichter Ernst Moritz Arndt, Friedrich Friesen, Theodor Körner und viele mehr angehörten. Schwarz-rot-gold war übrigens während der Zeit der Nationalsozialisten verboten - damals durfte nur schwarz-weiß-rot gezeigt werden.

Mensur

Es gibt wenige Themen, die "Außenstehenden" so schwer zu vermitteln sind, wie das Thema "Fechten". Wir wollen es dennoch probieren, damit du dir wenigstens ansatzweise ein Bild davon machen kannst:

Wir Gothen sind eine "schlagende" Verbindung, die von ihren Mitglieder zwei "Pflichtpartien" verlangt. Wir fechten, gemäß der Linzer Pauk- und Ehrenordnung (LPO), mit dem leichten Säbel auf den freien Oberkörper. Die Klinge dieses Säbels ist stumpf und schartenfrei - dies wird vom Unparteiischen (= "Schiedsrichter") vor jeder Partie kontrolliert - sowie vorne abgerundet und mindestens einen Finger breit. Stich- und Schnittwunden (Schmisse) können bei dieser Art des Fechtens also unmöglich auftreten. Trefferbereich ist bei uns der Oberkörper. Kopf, Ellenbogen, Hand und Genitalbereich sind ausreichend geschützt. Eine Partie geht über 30 (eine Fuxenpartie über 20) Gänge zu je 6 Sekunden. Während der Übungsstunden wird natürlich mit voller Schutzmontur gefochten - der freie Oberkörper ist nur "auf Mensur" gefordert.

Wichtig ist, dass niemals "gegen", sondern immer "mit" jemandem gefochten wird. Es geht nicht darum, einen Gegner zu besiegen und damit zu gewinnen - es geht nur darum, sich selbst zu überwinden und seine bestmögliche Leistung zu zeigen. (Ein Grundsatz, der heutzutage sehr schwer verstanden wird!) Aus Mensuren entstehen oft Freundschaften, die sehr lange halten. Man ficht übrigens niemals Mensuren mit Bundesbrüdern, sondern immer mit Mitgliedern anderer Verbindungen.

Katholische Verbindungen lehnen das Mensurfechten ab, da die katholische Kirche es lange Zeit mit einem Duell gleichgesetzt hat. (Dies tut sie mittlerweile nicht mehr, kirchenrechtlich ist unsere Art des Fechtens straffrei - zivil- und strafrechtlich sowieso!) Deshalb verstehen sie es meistens auch nicht und erzählen irgendwelche Märchen - deshalb sollte man Fecht-Informationen von MKVern nicht zu ernst nehmen...

Das war nun die graue Theorie zum Thema. Warum machen wir das eigentlich? Nun, die Mensur ist für uns ein Mittel zur Selektion, zur Erziehung, zur Traditionswahrung, zur körperlichen Ertüchtigung, zur Unterscheidung und zur Gemeinschaftsbildung. Ganz schön viel, was? Lass es uns etwas näher erklären:

Selektion?

Wenn jemand bei uns aktiv wird, überlegt er sich in der Regel sehr genau, ob er das wirklich will und absolut für die Gemeinschaft einsteht. Bei uns wird man nicht Mitglied aus einer Laune, da man mit der Unterschrift unter das Einsprungsgesuch genau weiß, dass man fechten wird. Fechten kann, unter Umständen, schmerzhaft sein, wenn auch keine bleibenden Schäden verursacht werden.

Man muss übrigens keine übermäßige sportliche Begabung mitbringen, um erfolgreich Mensuren zu fechten - die Fechterei steht auch etwas "stärkeren" Leuten ohne Probleme offen.

Erziehungsmittel?

Wenn man unter Erziehung (so wie wir) Persönlichkeitsbildung versteht, ist das studentische Fechten auf jeden Fall ein Erziehungsmittel im postiven Sinn. Die Erfahrung, einem anderen mit einer (wenn auch ungefährlichen) blanken Waffe gegenüber zu stehen und damit für etwas einzutreten, gibt unglaubliches Selbstbewusstsein weit über den Moment der Mensur hinaus. Das Gefühl, sich überwunden zu haben, ist ein sehr großes. Vergleichbar wäre es vielleicht mit Bungee- oder Fallschirmspringen. Auf die Frage, warum wir dann nicht das stattdessen machen, wird die Antwort weiter unten gegeben.

Körperliche Ertüchtigung?

Durch das wöchentliche Pauken wird das technische Können, die Kraft und die Ausdauer der Bundesbrüder gestärkt und geschult. Vor einer Partie wird das Training intensiviert, um eine perfekte Vorbereitung zu garantieren. Du wirst (speziell nach den ersten Übungseinheiten) Muskeln spüren, von denen du noch gar nicht wusstest, dass es sie überhaupt gibt ;-) Die Fechterei trainiert übrigens nicht nur den Arm, sondern den ganzen Körper - deine Fitness profitiert davon ziemlich!

Tradition?

Seit unserer Gründung im Jahre 1922 pflegen wir das conservative (=schlagende) Prinzip. Das heißt, dass seit über 80 Jahren jeder Bundesbruder seine Partien gefochten hat. Und genau das ist der Grund, warum wir nicht, wie oben bereits erwähnt, Fallschirmspringen oder sonstige Sportarten ausüben: Das verbindende Element zwischen den älteren und den jüngeren Bundesbrüdern. Der Alte Herr, der die erste Partie eines Fuxen sieht, weiß, was dieser fühlt und denkt und kann ihn so das Gefühl der Bundesbrüderlichkeit spüren lassen.

Unterscheidung?

Wir sind anders als die Anderen. Diese Aussage ist völlig wertfrei. Die, die uns nicht verstehen, halten uns deshalb für alles mögliche. Angefangen von idiotisch über brutal und blutrünstig bis einfach nur komisch ist fast alles dabei. Wir sind uns dieses Unterschieds natürlich bewusst. Und wir sind durchaus stolz darauf, nicht mit der Masse zu laufen, sondern gegen den Strom zu schwimmen und anders zu sein zu können.

Gemeinschaftsfördernd?

Jede gemeinsame Tätigkeit fördert den Zusammenhalt einer Gemeinschaft. Natürlich auch eine sportliche Trainingseinheit wie der PC (= Paukconvent = Fechttraining). Man hilft sich gegenseitig, gibt sich wichtige Tipps für Verbesserungen, fachsimpelt danach über Fehler und Stärken, ... Gerade junge Bundesbrüder hören oft mit großen Augen zu, wenn sich die Älteren über ihre Fechterlebnisse unterhalten.

Gerade das Thema "Fechten" ist einfacher im persönlichen Gespräch zu erklären, da so besser auf Nachfragen eingegangen werden kann. Außerdem kann man dabei die Fechterei vorführen, wenn man etwas gesehen hat, kann man es sich normalerweise viel besser vorstellen. Also: Schau einfach mal vorbei und lass es dir zeigen!